Griechisch orthodoxe Taufe – Totale Quälerei

Endlich haben wir es hinter uns. Ich muss aber ehrlich sagen, eine schöne Zeremonie war das auf keinen Fall.

Außer der Taverne haben wir für die Feier auch noch die kleine Kirche geschmückt. Das Taufbecken und das Wasser dafür haben wir auch selbst zur Kirche gebracht.

Als es dann endlich „nicht“ los ging, haben wir erst einmal eine Ewigkeit auf den Pastor warten müssen. Als er dann kahm hat er mich erst aufgeklärt dass Anna mindestens zwei Stunden nicht gegessen haben darf. Da ihm das Wasser im Taufbecken zu kalt war (für Anna Badetemperatur), mussten die Männer dann nochmal los um Wasser zu holen. Unterdessen hat Anna aber Hunger bekommen. Damit sie die Taufe dann noch übersteht habe ich sie für fünf Minuten gestillt. Als der Pastor das mitbekommen hat, hat der sich tierisch aufgeregt und geschimpft.

Irgendwann waren wir dann zum Glück (oder zum Unglück…) soweit. Ich musste Anna an die Taufpaten abgeben und durfte sie nicht mehr auf den Arm nehmen und auch erstmal nicht in die Kirche gehen. Solange der Pastor gepredigt hat war sie noch ganz zufrieden und hat ihn genau beobachtet. Als es dann aber zum Taufbecken ging, fing Annas großes Martyrium an. Sie wurde ausgezogen und bekam Olivenöl über den Kopf gegossen, das floss natürlich in die Augen und hat tierisch gebrannt. Ab diesem Zeitpunkt erinnere ich mich nur noch an mein schreiendes Baby, welches ich nicht auf den Arm nehmen durfte. Nach einer Weile habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin wieder rausgegangen aus der Kirche.

Ein bisschen später wurde ich gerufen um beim anziehen zu helfen. Meine kleine Maus hatte total rote Augen und hat sich schreiend an mich geklammert während die Frauen an ihr rumzogen, um ihr eine Art kleines Brautkleid anzuziehen mit mehreren schichten, obwohl es in der kleinen Kirche sowieso schon total heiß war.

Dann haben die Taufpaten sie wieder genommen und wir durften ihr zumindest einen Keks geben, was sie ein wenig beruhigte. Der Pastor hat noch eine Weile gepredigt und dann musste ich vor dem Pastor knien und meine Tochter zurück erbitten. Die Taufpaten haben noch einen Spruch aufgesagt, ich solle dieses Kind nehmen und es vor jeder Gefahr bewahren. Endlich durfte meine kleine Maus dann zu Mama und wollte auch keinen anderen mehr sehen.

Nun welcher Religion jemand angehören möchte muss jeder selbst entscheiden, doch ich weiß eines, dass ich diese Tortur nicht noch einmal mitmachen möchte. Ich selbst bin nicht gläubig auch wenn ich evangelisch getauft bin, daher würde ich meinem Kind am liebsten die Wahl lassen, ob überhaupt und wie es sich taufen lassen möchte. Für meinen Ehemann, der Grieche ist, ist die Kirche einfach Tradition und daher ist es unvorstellbar das eigene Kind nicht zu taufen. Ich kann euch nur ans Herz legen eure Kinder, wenn überhaupt, erst dann zu taufen wenn sie sich selbst dafür entscheiden.

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