Griechische Weihnachtsbräuche und wie das hier normalerweise läuft

Aufgrund des Weihnachtsstress, den ihr sicherlich auch gut kennt, der im Dezember zu dem Alltagsstress hinzukommt, bin ich diesen Monat leider nicht so oft zum Schreiben gekommen. Einen Weihnachtsblogpost möchte ich jedoch auf jeden Fall mit euch teilen. Hier soll es um das griechische Weihnachtsfest gehen, seine Bräuche und die Feiertage, die sich damit verweben.

Melomakarona

Griechenland ist sehr religionsgeprägt, daher sind auch die christlichen Feiertage von großer Bedeutung, werden aber etwas anders als in Deutschland gefeiert. Auch Namenstagen wird große Bedeutung beigetragen und sie werden hierzulande mehr gefeiert als Geburtstage. Damit wären wir auch schon beim ersten Feiertag der Weihnachtszeit, dem Nikolaustag, auf den sich in Deutschland die Kinder so sehr freuen. Dieser Tag wird hier nur als Namenstag gefeiert, so wie bei meinem Schwiegervater. Namenstage gelten in Griechenland quasi als so was wie ein Tag der offenen Tür. Ich war ganz perplex, als an dem ersten Namenstag meiner Tochter den ganzen Tag über irgendwelche Leute auftauchten und Kaffee und Kuchen von mir erwarteten. Inzwischen bin ich darauf vorbereitet, dass an Namenstagen den ganzen Tag Betrieb ist, denn es gibt hier keine Einladung wie es in Deutschland üblich ist, sondern an Namenstagen und bei kleinen Kindern auch an Geburtstagen, kommen die Leute einfach vorbei. Am Abend kommen dann die Familienangehörigen zusammen, um das Festessen einzunehmen.

Eine Adventszeit, wie man sie in Deutschland kennt, gibt es in Griechenland nicht, die Hausfrauen fangen schon im November an mit dem Schmücken und stellen den Weihnachtsbaum auf, einen Adventskalender oder einen Adventskranz kennen die meisten nicht. Viele Griechen befolgen den Brauch anstatt eines Weihnachtsbaums ein Kleines Segelschiff mit Lichterketten zu schmücken. 

 

Kourampiedes

Die Frauen backen das typische Weihnachtsgebäck, die mit Puderzucker bestäubten Kourampiedes und die in Honigsirup getränkten Melomakarona. Auch der in Deutschland bekannte Baklava ist in dieser Jahreszeit sehr beliebt. Am Morgen des 24. Dezember, genauso wie am Morgen des 31. wird man von den Kindern geweckt, die von Tür zu Tür ziehen und Lobgesänge,„Kalanta“ singen, man kann diesen Brauch vergleichen mit dem Martini-Singen in Deutschland. Als Entlohnung bekommen sie bei jedem Haushalt etwas Kleingeld, daher versuchen sie immer so früh wie möglich loszuziehen, um als Erste das Meiste abzustauben. Als mein kleiner Bruder einmal zur Weihnachtszeit auf unserer Couch schlief, murmelte er ganz verschlafen und augenreibend „Was wollen denn diese Kinder um diese Uhrzeit?“. Inzwischen ist er vorgewarnt…

 

Griechisches Weihnachtsboot

 

An Heiligabend isst man zusammen mit der Familie, doch wird er nicht so ausgiebig gefeiert, wie in Deutschland. Das “richtige“ Fest findet erst mittags am nächsten Tag statt, bei uns hat dieses nochmal einen zusätzlichen Wert, da meine Schwiegermutter an diesem Tag Namenstag hat. Die Geschenke bringt der „Heilige Vasileios“ erst am Morgen des 1. Januars, welches auch der Namenstag von Vasili, meinem Ehemann ist. Silvester ist in Griechenland ebenfalls ein Familienfest. Die Familie isst natürlich wieder ein großes Festmahl zusammen und zum neuen Jahr wird die „Vasilopita“ angeschnitten. Das ist ein Nusskuchen, den es inzwischen in verschiedenen Ausführungen gibt, so wie z.B. mit Schokoladen-Glasur, doch die klassische Ausführung ist mit Puderzucker bestäubt. Das Wichtigste an diesem Kuchen ist jedoch, dass in seinem Inneren eine Münze zu finden ist, und derjenige, der das Stück mit der Münze bekommt, soll das ganze neue Jahr über Glück haben. Als mein kleiner Bruder zu Besuch war, hatten wir eine „Vasilopita“ mit Schokoladenglasur. Dem Brauch nach hat mein Ehemann sie angeschnitten, die ersten zwei Stücke gehen dabei an das Jesuskind und an das Haus. Diese Stücke dürfen also nicht gegessen werden. Mein Bruder war so erpicht darauf, die Münze zu finden, dass er sich noch die darauffolgenden Tage vollgestopft hat mit Kuchen. Als er keine Lust mehr auf Kuchen hatte, hat er die restlichen Stücke einfach nur noch durchwühlt. Am Ende haben wir eine Plastikmünze fein säuberlich in einem Tütchen verpackt unter der Pappe des Kuchens gefunden, sie wurde offensichtlich aus Gesundheitsgründen nicht in den Kuchen eingebacken. Meine Schwiegereltern fanden jedoch die Tatsache, dass mein Bruder in seinem „Krümelmonster-Wahn“ sogar das Jesus-Stück vertilgt hat, im Gegensatz zu mir überhaupt nicht amüsant.

Der Letzte der griechischen Weihnachtsfeiertage ist der 6. Januar, das Fest der Heiligen drei Könige oder in Griechenland „Theophanie“ genannt, zu Deutsch „Erscheinung des Herrn“. In Griechenland feiert man an diesem Tag die Taufe Jesu und die Offenbarung der Heiligen Dreifaltigkeit. An diesem Tag wird nach dem Kreuz getaucht. Der Pastor segnet das Meer oder den Fluss, den es in der Umgebung gibt, dann wirft er den Kruzifix ins Wasser und eine Gruppe junger Männer springt ins kalte Nass, um ihn wieder heraus zu holen. Der Mann, der den Kruzifix aus dem Meer holt, küsst ihn und wird vom Pastor gesegnet.

Damit ein schönes Weihnachtsfest euch allen und vielleicht seid ihr froh, dass ihr nicht im Januar in die kalten Fluten stürzen müsst. Wenn ihr zu den winterlichen Schwimmern gehört, könnt ihr uns ja mal einen Besuch abstatten und auch hinterherspringen!

Ein Frohes neues Jahr wünsche ich euch noch,

ihr könnt nächstes Jahr wieder von mir lesen!

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